Christiane und Hauke Hartmann mit Just Gospel

Presse

Sieben Resonanzkörper auf einen Streich

Evangelische Kirche Bochum

Wenn „Rabbi“ Grigory Rabinovich von der Jüdischen Gemeinde tänzelnd, mit dem Groove der Zugabe im Rücken, den Ausgang der Christuskirche Bochum sucht und sich beim Pfarrer für den schönen Abend bedankt, dann muss schon etwas Besonderes passiert sein.

Und tatsächlich: In der Nacht zum ersten Advent ist es passiert. Mitten in Bochum. Mitten in der Christuskirche. Eine Fest der Begegnung der Kulturen, wie es nur hier, in der Kirche der Kulturen, so stattfindet. Weil hier nicht nur die Musik verbindet, sondern auch die Freundschaft. Und wer freundschaftlich verbunden ist, kann auch warten, besonders im Advent. Das lange Warten hat sich gelohnt: „Das Konzert ist wie eine kleine Erlösung. Wir haben lange darauf hingefiebert“, gestand eine mit Sängerin in der Pause. Und mit ihr die treibenden Kräfte dieses Abends.

Da ist Hauke Hartmann, ein Mann der Bühne, wie für ihn geschaffen. Und er wirbt mit seiner Formation für das Thema Advent: für das spannungsvolle Warten, für die wärmende Gemeinschaft und für Gastfreundschaft, für das Anpacken und Mitmachen der vielen fleißigen Helferinnen und Helfer beim Catering für den guten Zweck, für die Kindernothilfe. Wenn er von guten Erfahrungen, von großen Erwartungen spricht, ist das Evangelisation in einer dem Raum und den Feiernden angemessenen Weise. Und es ist einfach schön, wie er alle einbezieht, sie anwärmt. Wo macht einer das heute noch? Vielleicht noch die Leute von willow-creek.

Noch eine treibende Kraft: Christine Hartmann. Wäre das ganze Klassik und nicht Gospel, würde man sagen: sie dirigiert. Aber was für ein Wort - nein: Sie knetet ihre unbändige Energie in Chor und Band wie in eine Plätzchenteig, sie tanzt und springt und animiert zum Mitmachen, bringt die große Familie der Just Gospel Formation in Bewegung - die Band, den Chor aus Laien und Profis. „Welcome home“ - Willkommen zu Hause. Willkommen in der erfreulich vollen Hütte mit den wundervollen bunten Glasfenstern. Und zum ersten Mal dürfen auch die Kinder mitsingen: die Just Gospel Kids, eine aus der Not der Kinderbetreuung an langen Probenabenden entstandene Kindergospelformation. Auch eine Art Kindernothilfe.

Und sie haben Freunde aus Bad Honnef eingeladen, den Gospelchor `nJOY, die einfach zwischendurch ihre Lieder singen und damit ihren dynamischen Beitrag zur „Hausmusik“ leisten. Chorleiter Johannes Weiß ist Musiklehrer, Komponist und Pianist und arrangiert selbst einen Teil der modernen Musikschätze, die er immer wieder zur Freude seines Chores ausgräbt.

Es ist schon nach 22 Uhr. Viele schauen auf die Uhr - irgendwie warten sie alle. Auf Naturally 7. „Die Band ohne Band“, schrieb der gastgebende Pfarrer Thomas Wessel begeistert in seiner Ankündigung, spielt „ohne jedes Instrument, nur sieben Jungs aus New York, die mit ihren Stimmen mehr in Bewegung bringen als andere mit ganzen LKWs voller Equipment.“

So ist es. Das Warten hat sich gelohnt. Sieben Männer im Rapper-Outfit, mit Wattebausch im einen und Kopfhörer im anderen Ohr, tänzeln mit lässigen Bewegungen auf die adventlich geschmückte Bühne - und legen los. Keine zwei Songs später steht ein Teil des Publikums in den Gängen, sie kommen nach vorne, um zu tanzen auf diesen unwiderstehlichen Groove und Beat, den der unglaubliche Resonanzkörper Warren Andrew Thomas aus sich herauszaubert. Und Roger Anthony, sein älterer Bruder, das zentrale Nervensystem der Band, lobt Wirt und Herberge:„You’re a good host.“

Ein Stück der Weihnachtsgeschichte scheint wahr zu werden. Schließen Sie die Augen, stellen Sie sich vor: es sind nicht die heiligen Drei, es sind Sieben, auf einen Streich gestimmt mit Trompeten, Posaunen, Mundharmonika, Bass und Scratching. Sie intonieren eine mitreißende Mischung aus Gospel, R&B, Soul, Pop und Rap, ein auf den Spuren der Erlösung wanderndes expressives Audio-Extrakt. Allein wie diese Formation Phil Collins’ Welthit „In The Air Tonight“ sphärisch verwandelt, ist gänsehautreif. Kein Wunder, dass diese Jungs so locker in den Soulhimmel Europas spazieren. "Jeder unserer Songs hat eine Botschaft - und, ja, die ist meist vertikal", sagt Dwight Stewart, der Bariton.

Ja, so lässt sich Sehnsucht nach Spiritualität mit Pop verbinden, so wird Gottes Bodenpersonal zur Unterhaltungscrew: „Als ob Gott die Welt nur deshalb erhalte, um uns zu unterhalten, so lässig und so leicht“, schrieb der Kollege. Und hatte kurz nach Mitternacht nur noch wenig Platz in der Herberge.

O Happy Day! Frag den Rabbi.

Von Gert Hofmann